Donnerstag, 23. Februar 2012

frau mit herz.



wegen der vielleicht einzigen therapeutin, die mitfühlen konnte.


''Die ganzen Medikamente stellen dein Gehirn ja aus, wie du weißt. Sie lassen dich auch die Dinge tun, ohne dass du darüber nachdenkst. Das hat in der Zeit, in der du bei uns bist Vorteile, wenn du aber irgendwann wieder da draußen lebst Nachteile.'' - ''Aber warum muss ich diese Scheiß-Dinger dann nehmen? Ich bin normal, wie alle anderen!'' - ''Du bist nicht normal. Du bist auch nicht vollkommen anders als andere. Du bist ein Unikat, wie jeder andere Mensch auf dieser Welt. Wenn man sich deine Lebensgeschichte genauer unter der Lupe ansieht, sieht man, was du bisher schon für Berge erklommen hast. Es ist zu deinem eigenen Schutz. Damit du dir nicht mehr weiter Schaden zufügst.. und.. naja dich nicht mehr selbstverletzt'' der Blick der Frau wanderte den zernarbten Körper des Mädchens herunter - ''Tu ich doch aber nicht. Und meine Vergangenheit ist scheißegal. Es hat vorher nie jemanden interessiert. Warum sollte es jetzt jemanden interessieren?'' - ''Vielleicht ist jetzt einfach genau der richtige Zeitpunkt gefunden, an dem alle sehen konnten, welch' große Last du wirklich mit dir trägst. Vielleicht waren alle anderen zu naiv. Vielleicht hatten sie Angst, dir helfen zu wollen und nicht zu können..'' - ''Genau! Sie wollen mir auch helfen, könnten es aber nie. Sie wissen gar nicht, wie es mir geht, warum ich mich wie verhalte. Im endeeffekt denken Sie doch, dass ich wie alle anderen sei, mich schneide, weil ich Aufmerksamkeit will. Aber das will ich nicht, ich will leben, mein Leben leben, kämpfen und das alleine, ganz alleine.'' Sie brachte noch ein Wimmern, ein Schlurchzen, einen müder Blick hervor, bevor die Frau weiter auf ihre Worte anwortete: ''Aber du bist nicht alleine, du warst nie alleine und wirst nie alleine sein. Schlaf jetzt, das Schlafmittel sollte dich sofort ins Paradies bringen.. Ich bin bei dir, zumindest in deiner Zeit hier. Möge sie nicht allzu lange sein.''
- doch das hörte sie nicht mehr, sie schlief, tief und fest, unruhig, schrie im Schlaf, machte ihre Zimmernachbarin ständig wach. Am nächsten Morgen wachte sie auf, fand eine Kuschelmaus neben sich und sah den Verband an ihrem Unterarmrm, blutgetränkt und frisch.

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